« »
LebensLust

Zwei spontane Monate in Bozen

Geschrieben von Traudl N. am 25. März 2010
Schlagworte: , , , , | kommentieren

Traudl, Seniorin, freiwillig engagiert im Caritas-f-net, erzählt.

Foto: DiCV München und Freising, Italien

Ich hatte mich beim Caritas-Freiwilligen-Netz in München für das Grundtvig-Programm interessiert, einen Freiwilligen-Austausch mit Südtirol. Nach den Feiertagen im Neuen Jahr ging plötzlich alles sehr schnell. Ein Rundschreiben der Caritas Bozen wurde nach einigen Rückfragen zwischen München und Bozen sehr schnell in die Tat umgesetzt. Das hieß, dass ich in München alles so organisieren musste, um ein Haus, einige Verpflichtungen und Freunde so zu verlassen, dass ich abkömmlich war für diesen Zeitraum. Ich hatte mich für Februar und März verpflichtet; aber die geplante Seniorenwoche im Blindenzentrum Bozen war bereits vom 30.1. ab geplant, und so machte ich mich am chaotischsten Wintertag in Bayern, am Donnerstag dem 28. Januar, auf den Weg nach Bozen -  nachdem ich mich durch den frisch gefallenen Tiefschnee geschaufelt hatte.  Nach 4 ½ Stunden Fahrt kam ich dann aber gut bei Herrn Osthoff an.

Eine Woche voller Spannung, Musik und Bewegung
Nach dem Schnuppertag im Blindenzentrum Bozen ging es dann gleich zur Sache. Den Auftakt bildete am Sonntag eine sehr schöne Messe, gestaltet vom Männergesangsverein Gries, geleitet von einer attraktiven Chorleiterin, nachdem am Vorabend schon eine Vorstellungsrunde stattgefunden hatte. Die Woche selbst begann täglich mit dem Morgen-Sportprogramm um 7.30 Uhr.  Nach Frühstück und Morgenbesinnung gab es ein buntes Vor- und Nachmittagsprogramm. Hier nur einige Highlights: „Mariedl erzählt“, Gedächtnistraining, die Hebamme Irma Geiser Morelato erzählte aus ihrem Leben, Turnen mit Roberto, Musiktherapie mit Veronika, Singstunde mit Meinrad Warger, Diskussion „Von der Lust und Last des Alters“ mit Kaplan A. Prugger. Auch ein Ausflug auf die Haselburg wurde gemacht, und der tägliche Spaziergang durfte auch nicht fehlen. Vor dem Abendessen war dann der Rosenkranz angesagt, und abends gab es für die Senioren meist auch ein Programm. Dieses schaffte ich nach 11 Stunden „auf den Füssen“ allerdings nicht mehr, auch wenn es noch so interessant gewesen wäre.

Als Freiwillige im Einsatz für Blinde Menschen
Meine Aufgabe während der Seniorenwoche war die Betreuung einer Seniorin, die fast blind und zudem körperlich nach einem Schlaganfall sehr schlecht drauf war. Alle übrigen Senioren waren teils stark sehbehindert oder blind, die meisten aber sehr mobil und fanden sich alle schon morgens vor dem Frühstück beim Turnen oder Schwimmen ein. Mein Einsatz begann allerdings „erst“ so gegen 7.45 Uhr (ich hab hier Gott sei Dank mein Klappradl mit, mit dem ich die 2 km von meinem Zimmer im Zentrum von Bozen zum BLZ rascher überwinden kann), wenn meine Seniorin Rosa angezogen war und ich ihr dann beim Frühstück helfen konnte. Es blieb aber dann nicht nur bei der Hilfe für Rosa, sondern so manch andere Blinde war erfreut, wenn ich mich bei allen Mahlzeiten nicht nur ums Essen-Austeilen kümmerte, sondern die Gläser füllte oder das Essen mundgerecht richtete und Reste z.B. vom Salat noch auf die Gabel packte.

Was es heißt, blind seinen Weg zu finden
Nun ist die Seniorenwoche ist vorbei, ich hab mich ein bisserl von den für mich ungewohnten Tätigkeiten erholt und hatte bereits ein weiteres Erlebnis. Am Montag war ich frühmorgens unterwegs, um Nikolaus Fischnaller nach Toblach zu fahren (er ist blind), da er dort in zwei Ersten Mittelschul-Klassen einen Infounterricht halten sollte. Ich hatte mir den Weg vorher erklären lassen, da ich mich überhaupt noch nicht auskenne.  Wie verwundert war ich, als mein  - blinder! – Beifahrer mir plötzlich einen ganz anderen Weg erklärte, um  durch Bozen auf die Autobahn zu kommen. Er spürte jede Kurve, jeden Kreisverkehr und leitete mich sicher durch die Stadt hindurch bis zu unserem Ziel. Auch die Teilnahme am Unterricht war für mich sehr lehrreich.

Ich mache im Umgang mit den Blinden zwar immer noch ein paar kleine Fehler; aber ich bin um die Erfahrungen, die ich bis jetzt hier machen durfte, sehr dankbar. Sie sind eine Bereichung für mich und ich freu mich, hier in Bozen sein zu dürfen, und wünsche mir weiterhin viele positive Eindrücke auch für die, für die ich tätig sein darf.

Traudl

Hinterlasse eine Antwort