Karin, Ehrenamtliche im Projekt Leuchtturm des Caritas-f-net in München, berichtet über ihre erste Nachhilfeschülerin.
Auf Anfrage der Schulleiterin einer Ismaninger Grundschule betreue ich seit Oktober 2009 ein Mädchen der 4. Klasse bei den Hausaufgaben, und zwar 4 x in der Woche für maximal 2 Stunden täglich. Da das Kind bis dahin so gut wie nie Hausaufgaben gemacht hat, und wohl auch die Eltern darauf nicht geachtet haben, wurde von der Klassenlehrerin sehr begrüßt, dass ich mich dazu bereit erklärt habe.

Das Kind hat einen Migrationshintergrund. Die Mutter spricht deutsch, der Vater nach meinen Informationen nur seine Muttersprache. Die Eltern waren einverstanden mit der Betreuung. Von der Klassenlehrerin bekomme ich viel Unterstützung, die dortige Sozialpädagogin ist in diesem Fall auch tätig.
Mit dem Mädchen komme ich mittlerweile gut zurecht, sie versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihre Hausaufgaben gut zu machen. Sie spricht ganz normal deutsch, versteht aber häufig nicht die Aufgabenstellung in den Büchern und Arbeitsblättern. Deshalb fehlt es auch oft am flüssigen Lesen. Das betrifft alle Fächer, in Mathematik besonders die Textaufgaben. Ansonsten kann sie ganz gut rechnen. Das Problem ist aber deutsch, und zwar Rechtschreibung, Grammatik und Wortschatz.
Ich versuche, auch über die Hausaufgaben hinaus, ihr Lesen zu verbessern, ihr Begriffe zu erklären, ohne sie zu überfordern, aber das sind nur kleine Schritte, denn wenn das Kind 6 Schulstunden hatte und anschließend noch gut eine Stunde Hausaufgaben gemacht hat, lässt die Konzentration doch nach.
Mit Hilfe der Sozialabteilung der Gemeinde Ismaning ist es gelungen, dem Mädchen ein Mittagessen in der Mittagsbetreuung in der Schule zu vermitteln. Die Mutter hatte sich auch darum nicht gekümmert. Wenn ich freitags nicht in die Schule komme, darf sie auch bis 14 Uhr in der Mittagsbetreuung bleiben.
Ich habe in den fünf Monaten erreicht, dass sie sich auf mich freut. Wenn sie nicht zu müde ist – und das ist sie leider recht oft – macht sie die Hausaufgaben gerne. Inzwischen taut sie auf, ist lustig und lacht sogar bei unserer Arbeit. Das war am Anfang nicht so. Letztes Mal habe ich bemerkt, dass alle Buntstifte in ihrem Mäppchen angespitzt waren. “Das Hat meine Mutter gemacht”, hat sie mir stolz berichtet. Das hat mich sehr gefreut. Mir macht die Hausaufgabenhilfe Spaß. Es ist eine sinnvolle Beschäftigung, und wenn ich dann erlebe, wie bei dem Mädchen eine Zuneigung zu mir aufblitzt, ist das sehr schön.




